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10 Mythen der Digitalfotografie: Nr. 4 – Achten Sie auf ein ausgeglichenes Histogramm

Breaking Out Viele Artikel zum Thema ‘So machen Sie bessere Bilder’ weisen darauf hin, das Histogramm im Auge zu behalten. Dieser Ratschlag ist recht neu – es gibt ihn erst seit wir unsere Fotos digital bearbeiten – und Blödsinn.

Dein Histogramm, das unbekannte Wesen

Bevor Kameras digital wurden, gab es keine Möglichkeit vor Ort die Belichtung unserer Fotos zu überprüfen. Fotografen vertrauten ihrem Belichtungsmesser und ihrer Erfahrung mit bestimmten Filmen; jede neue Emulsion konnte unerwartete Ergebnisse bringen. Schwarzweiß-Fotografen erarbeiteten die endgültige Belichtung ohnehin erst in der Dunkelkammer, oft selektiv – vorne etwas dunkler, hinten heller, dort ein wenig abwedeln, hier etwas nachbelichten. Wer Farbfilm nutzte, besonders Farbumkehrfilm, musste bei der Aufnahme alles

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Schneekönig

Der erste Schnee, der die letzten Tage auch in Hamburg gefallen und liegen geblieben ist, eröffnet den Relaunch von 366Foto. Während dieses Blog 2008 jeden Tag ein neues Foto brachte, wird es ab jetzt Ideen, Bilder und Anregungen rund ums Fotografieren geben. Nicht jeden Tag, auch nicht immer regelmäßig. Aber hoffentlich interessant und unterhaltsam.

Impressionistischer SchneeDiesen Weg mit dahinter liegender Wiese finden Sie im Altonaer Volkspark, der dritten großen Grünoase der Stadt. Verschneit sieht man ihn nur selten, da Hamburg durch seine Nähe zur Nordsee im Winter ein eher gemäßigtes Klima hat – Schnee gehört nicht zu den herausragenden Touristenattraktionen der Stadt.

Schnee zu fotografieren ist nicht ganz einfach, legt er dem Fotografen gleich drei Hindernisse in den Weg:

  • er nimmt die Lichtfarbe an
  • er täuscht Belichtungsmesser
  • er hat keine eigenen Merkmale

Das erste Bild zeigt, wie der Schnee im Schatten blau zu sein scheint, im Hintergrund – der Spot sowie die Wiese – aber den Orangeton der untergehenden Sonne annimmt. Weiß ist er nicht. Das gleiche Phänomen finden Sie bei jedem weißen Gegenstand, er reflektiert Farben, die aus der Umgebung auf ihn treffen. Schwarze Flächen hingegen absorbieren Licht, weshalb sie nur sehr selten farbstichig erscheinen.

Mit moderner Digitaltechnik lässt sich im Nachhinein am Computer bestimmen, wie der Schnee im Bild wirken soll. Am besten machen Sie Ihre Aufnahme im RAW-Modus Ihrer Kamera, um so den größtmöglichen Freiraum für die Bearbeitung zu erhalten. Wollen Sie weißen Schnee, passen Sie erst den Weißabgleich an; das geht am besten per Augenmaß. Bei Mischlicht bekommen Sie ohnehin nur eine ungefähre Korrektur hin, die mit Hilfe selektiver Tools später weiter angepasst werden muss.

Wie Sie sehen, habe ich mich für einen anderen Weg entschieden, ich war interessiert an dem Kontrast zwischen dem Orange der Sonne und dem Blau der Schatten. Vergessen wir nicht, es ist die Lichtfarbe, die einen großen Teil des emotionalen Ausdrucks eines Fotos ausmacht. Der blaue Schnee sieht kalt aus, der orangefarbene Fleck strahlt Wärme aus, gibt ein Versprechen, dass der Winter irgendwann auch vorbei ist.

Wellen im SchneeSehr viel einfacher als das Farbproblem ist das Belichtungsproblem zu lösen. Die überwiegend hellen Flächen, die hohe Reflexionsrate des Lichts vom Objekt zur Kamera, lässt den Belichtungsmesser Ihrer Kamera die Aufnahmezeit verkürzen bzw. die Blende zumachen. Ein wenig so, als ob wir unsere Augen zusammenkneifen, wenn wir einen besonders hellen Raum betreten.

Belichtungsmesser sind auf einen mittleren Grauton normiert, der in den meisten Fällen eine ausgeglichene Belichtung schafft. Mit besonders hohen Kontrasten oder einseitig beleuchteten Szenen kann er nichts anfangen; er sieht den für uns weißen Schnee grau. Wir müssen ihm also sagen, dass wir die Flächen nicht grau, sondern weiß wollen. Am einfachsten geht das, wenn wir die Belichtungkorrektur der Kamera nutzen.

Für das zweite Bild habe ich eine Überbelichtung von 2 Lichtwerten eingegeben, was durchaus ausreichend wäre. Auch hier habe ich selbstverständlich im RAW-Modus fotografiert, so dass ich in Nikon Capture NX noch weiter korrigieren konnte. In diesem Fall war zuerst eine Farbkorrektur nötig – auch diese Fläche lag im Schatten, schimmerte im Foto also bläulich –, dann habe ich mit dem Werkzeug Levels/Curves noch ein wenig mehr Helligkeit rein gegeben.

Steinbank im SchneeDamit haben wir den Schnee jetzt ins rechte Licht gerückt und müssen einen Weg finden, ihn interessant aussehen zu lassen. Im ersten Bild ist es der impressionistische Farbeffekt, den unser Gehirn vor Ort automatisch aus unserem Augeneindruck raus rechnet. Das zweite Bild besticht zuerst wegen seiner Uniformität, die bei genauerem Hinsehen durch einige verlorene Grashalme und Wellen im Schnee unterbrochen werden.

Das dritte Bild habe ich im Altonaer Friedhof aufgenommen, es handelt sich um eine Steinbank, die nahe dem HSV-Fan Grabfeld steht. Die Schneefläche dient hier vor allem als neutraler Hintergrund, in dem sich die Bank aufzulösen scheint. Damit der Bereich hinter [im Foto über] der Bank lebendig bleibt, habe ich noch einen Blitzer Bodenverwerfung, die nicht vollständig zugeschneit ist hereingenommen.

Zusammengefasst:

  1. Schnee immer überbelichten, sonst sieht er schmutzig-grau aus
  2. auf Lichtfarbe achten, eine passenden Weißabgleichwert einstellen und hinterher korrigieren
  3. finden Sie interessante Formen im Schnee
  4. machen Sie sich klar, ob Ihre Fotos dokumentieren oder emotional wirken sollen

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